06.11.18

Was Briefkästen mit Rodungen im Amazonas-Gebiet zu tun haben

Das Luxemburger Wort berichtet mit Jonathan Ponchon über unsere neu veröffentlichte Studie “Belo Monte, Odebrecht und die Luxembourg-Connection.

Briefkastenfirmen mit Sitz in Kirchberg dienen gemäß den Recherchen der ASTM dazu, Millionen hin- und herzutransferieren. Dahinter steckt die brasilianische Firma Odebrecht, die in Südamerika in Korruptionsskandale verstrickt ist.

Das Odebrecht-Unternehmen führt umstrittene Bauvorhaben im Amazonas-Gebiet durch. Indigene Völker verlieren ihre natürliche Lebensumgebung, während Wälder des Amazonas-Gebiets den Bauplänen zum Opfer fallen. In Verruf geraten ist das Unternehmen Odebrecht wegen zahlreicher Korruptionsskandale, die aktuell regierende und frühere Präsidenten Südamerikas stark belasten. Der frühere brasilianische Präsident Lula da Silva (2003-2011) sitzt aktuell unter anderem auch wegen Geldwäschegeschäften mit Odebrecht in Haft.

Über 800 Millionen Dollar flossen, Odebrecht-Managern zufolge, seit 2001 in die Taschen von Politikern, Managern und Staatsbeamten. Die luxemburgische Nichtregierungsorganisation Action Solidarité Tiers Monde (ASTM) ergründete nun diverse Verstrickungen luxemburgischer Subunternehmen mit dem Mutterkonzern.

Die Recherchen der ASTM weisen dubiose Finanztransaktionen unter verschiedenen Firmen hin, die zu Odebrecht gehören. Insgesamt wurden sechs Firmen in Luxemburg gegründet. Das Muster der Unternehmen war stets ähnlich. Gemäß den recherchierten Zahlen der ASTM hatten sie anfangs ein Startkapital von 10.000 bis 50.000 EURO. Innerhalb kürzester Zeit erhöhte sich das Kapital exponentiell. So war dies beispielsweise der Fall bei der “Odebrecht Energy Luxembourg SARL”. Das anfängliche Startkapital in Höhe von 20.000 Dollar wuchs innerhalb von sieben Monaten auf 236 Millionen US-Dollar.

Drei Firmen änderten nach spätestens einem Jahr ihre Namen. Auch innerhalb kürzester Zeit änderten sich die Eigentumsverhältnisse. Frappierend ist das bei der zuletzt gegründeten Firma,  der “Odebrecht Financing International SARL”. Bereits einen Tag nach der Gründung wechselten die Eigentumsanteile. Die luxemburgischen Subunternehmen sind durch Kreditvergaben an andere Odebrecht Organisationen an Infrastrukturprojekten im peruanischen Amazonasgebiet beteiligt. Durch die Projekte in Peru sollen nach Angaben von ASTM knapp 90 Quadratkilometer geflutet werden. Betroffen sind rund 4.000 Menschen in 33 Dörfern.

Forderungen nach Compliance Regeln für Unternehmen

Die ASTM gab an, im Vorlauf zu den Parlamentswahlen die politischen Parteien dazu gedrängt zu haben, Compliance-Regeln für Firmen einzuführen. “Das Weggucken, das ist das, was nervt!”, sagte Dietmar Mirkes, Experte für Klimafragen der ASTM, auf der Pressekonferenz der ASTM am Dienstag. Die ASTM fordert die Koalitionäre dazu auf, ein Gesetz zu verabschieden, das eine Sorgfaltspflicht für multinationale Unternehmen mit Sitz in Luxemburg verbindlich festschreibt.

Die Unternehmen sollen darüber Rechenschaft ablegen, dass ihre Tätigkeiten keine Menschenrechte gefährden und nicht umweltschädlich vorgehen. Eine unabhängige Instanz soll Unternehmen diesbezüglich überprüfen. Darüber hinaus sollen Opfer von Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen Zugang zur Justiz und zu Wiedergutmachung auch in Luxemburg haben – aufgrund der Präsenz der Subunternehmen im Großherzogtum.

>> zum Artikel im Luxemburger Wort

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