15.11.18

Über 169.000 Europäer unterstützen die Klima-Klage von 10 Familien gegen europäische Institutionen

Die luxemburgischen Nichtregierungsorganisationen ASTM, Greenpeace, Mouvement Ecologique und natur&ëmwelt gemeinsam mit Wemove.eu und dem Climate Action Network (CAN) Europe haben auf einer Pressekonferenz am 13. November in Luxemburg ihre Unterstützung für die Familien und Jugendlichen bekundet, die die europäischen Institutionen wegen mangelndem Schutz vor schädlichen Klimaauswirkungen verklagen. Sie übergaben den Klägern des People’s Climate Case eine entsprechende Petition, die bisher von über 169.000 Europäern unterschrieben wurde.

Im Mai 2018 haben Familien aus Portugal, Deutschland, Frankreich, Italien, Rumänien, Kenia, Fidschi und Mitglieder des samischen Jugendverbandes Sáminuorra aus Schweden, die alle bereits unter den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels leiden, Klage gegen das Europäische Parlament und den Rat der Europäischen Union eingereicht. Darin bemängeln sie die Ausgestaltung mangelnde Ambition des EU-Klimaziels für 2030. Die Kläger empfinden das bestehende EU-Klimaziel für 2030, laut dem die inländischen Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 sinken müssen, im Hinblick auf die tatsächliche Notwendigkeit der Verhinderung eines gefährlichen Klimawandels, als unzureichend. Eine solche Reduzierung reiche nicht aus, um ihre Grundrechte auf Leben, Gesundheit, Beruf und Eigentum zu schützen.

Die Kläger werden bereits von einem breiten Spektrum bestehend aus Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftlern und Bürgern begleitet, die fest davon überzeugt sind, dass die EU im Hinblick auf ihr Klimaziel 2030 ehrgeiziger sein muss.

Um den Klägern des People’s Climate Case diese Solidarität zu zeigen, haben die luxemburgischen NGOs ihnen am 13. November gemeinsam mit Wemove.eu und CAN Europe – der größte europäische NRO-Zusammenschluss im Bereich Klima und Energie mit über 150 Mitgliedsorganisationen aus mehr als 30 europäischen Ländern, darunter auch die ASTM – die mehr als 169.000 Unterschriften überreicht. Diese wurden im Rahmen der Petitionskampagne gesammelt und verdeutlichen, wie viele Bürger diesen Fall unterstützen.

Auf der anlässlich der Unterschriftenübergabe in Luxemburg stattfindenden Pressekonferenz sagte Martina Holbach, Vertreterin der luxemburgischen Nichtregierungsorganisationen: „Die Überschwemmungen, Hitze- und Dürreperioden, die wir dieses Jahr in Luxemburg erlebt haben, zeigen uns, dass niemand vor schädlichen Klimaauswirkungen sicher ist. Die Betroffenen haben diese Klage eingereicht, um eine bessere Zukunft für uns alle zu gewährleisten. Wir stehen solidarisch an ihrer Seite und hoffen, sie alle in Luxemburg zu sehen – wenn der Fall vor dem Europäischen Gerichtshof angehört wird.

Sanna Vannar, Präsidentin des samischen Jugendverbandes Sáminourra und eine der Klägerinnen, sagte: „Unsere Kultur und Zukunft als Samen wird durch den Klimawandel beeinflusst. Die Rentierzucht, die heute durch die Auswirkungen des Klimawandels gefährdet ist, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Wenn unseren Rentieren etwas zustößt, dann ist unsere Kultur bedroht, von unseren täglichen Aktivitäten bis hin zu all unseren Handwerksarbeiten und Kleidern. Ich tue, was jeder junge Mensch in meinem Alter tun muss: Ich ergreife Maßnahmen zum Schutz meiner und der Rechte künftiger Generationen.

Alfredo Sendim, einer der portugiesischen Kläger des Falles, sagte: „Meine Familie lebt seit mehr als 100 Jahren auf demselben Hof. Allerdings weiß ich nicht, ob ich dort in 20 Jahren noch leben kann. Für mich geht es beim Klimawandel nicht um hochrangige Klimadiplomatie oder Verhandlungen. Es geht um meine Zukunft, meine Familie und alle Menschen, mit denen ich das gleiche Anliegen teile: Wir sehen uns mit einer großen Unsicherheit konfrontiert.“

Die Familien werden durch die Umweltanwälte Dr. Roda Verheyen, Prof. Gerd Winter und Hugo Leith vertreten. Dr. Roda Verheyen sagte: “Der Klimawandel wird derzeit bereits von zahlreichen Gerichten in europäischen Ländern und weltweit behandelt. Die klagenden Familien vertrauen auf die europäischen Gerichte und die Rechtsordnung, um ihre Grundrechte auf Leben, Gesundheit, Beruf und Eigentum zu schützen, die vom Klimawandel bedroht sind.“

 

 

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