Meng Landwirtschaft kritisiert Abschaffung von Kennzeichnungspflichten für gentechnisch veränderte Lebensmittel
Luxemburg/Brüssel, 18. Juni 2026 – Das Europaparlament hat gestern der Deregulierung von Pflanzen, die mit Hilfe von sogenannten “neuen genomischen Techniken” (NGT) hergestellt wurden, zugestimmt. Auch die Luxemburger EU-Abgeordneten Charles Goerens, Martine Kemp und Isabel Wiseler-Lima haben der Einigung zugestimmt.
Die Plattform Meng Landwirtschaft kritisiert diese Entscheidung. Unabhängig davon, wie man zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln steht, ist die Abschaffung von Kennzeichnung und Sicherheitsprüfungen für NGTs gefährlich und unverantwortlich. Gleichzeitig soll die Patentierung von NGTs uneingeschränkt möglich bleiben, durch die mit wachsender Abhängigkeit der Landwirte sowie weiteren Benachteiligungen der kleinen und mittelständischen Saatgutproduzenten von Agrarkonzernen gerechnet werden muss. Patente auf NGTs würden nicht nur die Entwicklung neuer, an lokale Bedingungen angepasste Sorten beeinträchtigen, sondern auch die Souveränität der Lebensmittelproduktion in Europa weiter einschränken.
Diese neue Vereinbarung nimmt den Verbrauchern nicht nur die Wahlmöglichkeit, sondern setzt Landwirte auch der Gefahr von Kontaminationen aus und ignoriert die Bedenken von Wissenschaftlern aus den nationalen Sicherheitsbehörden mehrerer Länder, die davor warnen, dass neue gentechnisch veränderte Nutzpflanzen Risiken für Gesundheit und Umwelt bergen können.
Nach jahrzehntelangen Versprechungen von bahnbrechenden Innovationen, Rekorderträgen und Resistenz gegen Überschwemmungen und Dürren sieht die Realität jedoch so aus, dass keine der wenigen weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen diese Versprechen erfüllt hat – selbst in Ländern wie den USA, wo sie fast völlig unreguliert sind. Dies ist das jüngste Beispiel für den Deregulierungsdrang der EU, bei dem als Erstes die Vorschriften zum Schutz der Natur und der Verbraucher wegfallen. Die einzigen Gewinner sind heute die multinationalen Biotech-Konzerne, die ihren Einfluss auf die Lebensmittelkette weiter ausbauen.
Das Luxemburger Parlament hatte Anfang 2024 einen Antrag angenommen, in der die Regierung zu einer Initiative für ein Verbot von Patenten auf NGT1-Pflanzen aufgefordert wurde. Trotz dieser Aufforderung hatte die Luxemburger Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Martine Hansen sich im europäischen Rat weder für die Risikoprüfung und Kennzeichnung von NGTs noch gegen deren Patentierung eingesetzt. Während die Vorgängerregierungen in Punkto genmanipulierter Pflanzen stets das Vorsorgeprinzip hochgehalten und sich gegen die Freisetzung von GMOs eingesetzt hatten, vollzieht die aktuelle Mehrheit einen Paradigmenwechsel.
Meng Landwirtschaft ist eine Plattform von luxemburgischer Nichtregierungsorganisationen, die sich mit Themen rund um Landwirtschaft, Ernährung, Umwelt, Naturschutz, Tierschutz, Verbraucherschutz, Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit befassen. Sie wurde 2010 gegründet und wird aktuell getragen von natur&ëmwelt a.s.b.l., Vereenegung fir Biolandwirtschaft Lëtzebuerg a.s.b.l., Greenpeace Luxembourg, ASTM, SOS Faim Luxembourg, Mouvement écologique, etika, CELL, Slow Food Luxembourg, Cercle de Coopération, Aide à l‘Enfance de l‘Inde et du Népal, Lëtzebuerger Landesverband fir Beienzuucht, SEED, Kampagne „ohne Pestizide“, Frères des Hommes, Foodsharing Luxembourg, Netzwierk Agroökologie, Fondation Partage, Ligue CTF und Vegan Society Luxembourg.
menglandwirtschaft@naturemwelt.lu – www.meng-landwirtschaft.lu
