13.05.19

Philippinische Partnerorganisation der ASTM fordert politische Verantwortung Europas in Sachen Klimawandel und Bevormundung durch Multinationale

Alfie Pulumbarit, zuständig für politische Kampagnen bei der philippinischen Organisation MASIPAG* , ist vom 12. bis 20. Mai auf Einladung von Action Solidarité Tiers Monde (ASTM) und vom Klima-Bündnis Lëtzebuerg in Luxemburg. Er will politische Unterstützung für die Organisation einfordern und die Verantwortung für den Klimawandel zum Thema machen. „Angesichts der Tatsache, dass die Philippinen eines der am meisten vom globalen Klimawandel betroffenen Länder der Welt sind, sehen wir täglich die verheerenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die seit jeher schon anfällig für Naturkatastrophen wie Taifune, Überschwemmungen und Dürren war. So ist es den Farmern fast unmöglich, ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren. In der Forderung nach Resilienz gegen den Klimawandel ist auch unsere Kampagne gegen den Einsatz und gegen die staatliche Förderung gentechnisch veränderter Pflanzen wie Mais und goldenem Reis enthalten“, so Pulumbarit.

Nicht erst seit der Übernahme von Monsanto durch Bayer und der so kumulierten Marktmacht, die die weltweite Abhängigkeit der Landwirte von multinationalen Konzernen noch um ein Vielfaches verstärkt, setzt sich die philippinische Organisation MASIPAG, Partnerorganisation der ASTM, gegen den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut und den Einsatz von Pestiziden ein. Mit der chemischen Landwirtschaft als dominierendem Produktionssystem sind die philippinischen Landwirte in einem Zyklus aus teuren Produktionskosten und unvorhersehbaren Erträgen gefangen. Anstatt den philippinischen Landwirten die nötige Unterstützung zu geben, um die Produktion zu steigern und gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, entzieht sich die Regierung der Verantwortung, langfristig die Grundlagen für eine  Ernährungssicherheit zu schaffen. Die Kampagne “Stop Golden Rice“, in der MASIPAG sich intensiv gegen eine Markteinführung dieses genmanipulierten Produktes engagiert, ist nur ein aktuelles Beispiel für die Arbeit, die die Organisation auch für Verbraucher in Europa leistet. Die zweite Herausforderung, gegen deren Folgen die Filipinos täglich ankämpfen, ist der immer stärker werdende globale Klimawandel.

Im April stellten die MASIPAG-Mitglieder zusammen mit Partnern die verschiedenen Herausforderungen dar, mit denen Landwirte und Lebensmittelproduzenten im ganzen Land konfrontiert sind, darunter anhaltende Landlosigkeit und die gewalttätigen Angriffe auf Bauern und Menschenrechtsaktivisten. So verurteilt MASIPAG das neue Reis-Tarifierungsgesetz, weil es nach Auffassung des Netzwerkes den lokalen Agrarsektor aufgrund des billigeren, importierten Reises zusammenbrechen lässt.

Obwohl sie ein landwirtschaftliches Land sind, das für die Reisterrassen im Norden bekannt ist, sind die Philippinen zu einem der wichtigsten Reisimporteure geworden und importieren Reis aus Nachbarländern wie Vietnam und Thailand. Dies ist Teil der Verpflichtung des Landes im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO), deren Handelsabkommen die Öffnung der Inlandsmärkte für Waren und Dienstleistungen aus anderen Mitgliedsländern vorschreiben. Weit davon entfernt, die Bedingungen der Landwirte zu verbessern und den Sektor anzuheben, gelang es durch die Agrarliberalisierung allerdings nur, das Gegenteil zu erreichen.

Zudem befürchtet MASIPAG, dass bei der Flut importierter Produkte möglicherweise gentechnisch veränderte Reissorten ins Land kommen und die Verbraucher aus Mangel an Alternativen quasi zum Konsum zwingen. Die Komplexität der Ernährungsunsicherheit kann nicht durch Reistarifierung angegangen werden, da stattdessen andere Grundnahrungsmittel stark besteuert werden. Um die erschwinglichen Kosten für Reis sicherzustellen, sollte die Regierung die Landwirte ausreichend und angemessen unterstützen. Zum Vergleich: Die staatliche Unterstützung für Landwirte in Vietnam beläuft sich auf 1,1 Mrd. USD, während der Agrarsektor in Thailand 4,4 Mrd. USD erhält. Unterdessen erhielten die philippinischen Landwirte nur 190 Millionen USD für die Unterstützung, und mit der Abnahme der Rolle der National Food Authority (NFA) werden die Landwirte privaten Händlern ausgeliefert. Zusätzlich zu diesen innenpolitischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten sehen sich die Landwirte derzeit auch mit einer sich verschlechternden Dürre konfrontiert. Berichten zufolge sind bereits in vielen landwirtschaftlichen Gebieten Schäden in Höhe von mehr als 4 Milliarden Pesos durch Dürre entstanden.

Eine unserer zentralen Forderungen an die philippinische Regierung beinhaltet daher die sofortige Aufhebung des Gesetzes zur Reistarifierung, um sich stattdessen auf eine nachhaltige Entwicklung der Reisindustrie zu konzentrieren“, so Pulumbarit. „Die Erfahrung der MASIPAG-Farmer zeigt, dass die Selbstversorgung mit Reis durch geeignete Technologien wie ökologische Landwirtschaft erreicht werden kann. Dazu brauchen wir dringend Landreformen zugunsten der Kleinbauern. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, benötigen wir aber auch die politische Unterstützung unserer Partner aus Europa“. Birgit Engel, verantwortlich für die ASTM Bildungsarbeit erklärt “Gerade im Vorfeld der Europawahlen sind wir aufgerufen, unsere Verantwortung am Klimawandel nicht mehr länger in andere Länder zu exportieren und der Zerstörung weltweiter Agrarflächen durch multinationale Unternehmen auf Kosten einer nachhaltigen Ernährungssicherung tatenlos zuzusehen.”

*Über Masipag
MASIPAG ist ein von Bauern organisiertes Netzwerk von Volksorganisationen, Nichtregierungsorganisationen und Wissenschaftlern auf den Philippinen, die gemeinsam an einer nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer landwirtschaftlichen Nutzflächen arbeiten, um die biologische Vielfalt zu erhalten. Die ganzheitliche Kontrolle der genetischen und biologischen Ressourcen, insbesondere des Saatgutes, die landwirtschaftliche Produktion und das damit verbundene Wissen über biologische Landwirtschaft und traditionelle Varietäten von Getreide und Knollenfrüchten sind die Basis des Netzwerks und kommen den Kleinbauern zur Verbesserung ihrer Lebensqualität zugute. Die Entwicklung einheimischer Reis-Sorten aus ökologischem Anbau als Alternative zu den Hybriden und gentechnisch veränderten Arten ist von zentraler Bedeutung für die Arbeit von MASIPAG. Die Mitglieder verwalten einen großen Pool lokaler Reissorten und entwickeln neue, an die lokalen Gegebenheiten angepasste Sorten, wie zum Beispiel überschwemmungs- oder dürreresistentes Saatgut – als lokale Adaptationsmaßnahmen an den Klimawandel und zur Ernährungssicherung der einheimischen Bevölkerung

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