04.05.17

Meng Landwirtschaft – Nachhaltige Landwirtschaft für Umwelt, Verbraucher und Landwirte ist möglich

Die Plattform Meng Landwirtschaft, zu der ASTM gehört, stellte kürzlich die Neuauflage ihres Berichts Landwirtschaft 2.0 – Plädoyer für die Neuausrichtung der luxemburgischen Agrarpolitik“ vor. Der Bericht analysiert die weitreichenden Folgen der jahrzehntelang fehlgeleiteten Landwirtschaftspolitik für Verbraucher, Umwelt und Landwirte in Luxemburg. Die Neuauflage wirft einen Blick auf die Lage des von der Aufhebung der EU-Quotenregelung betroffenen Milchsektors und enthält viele zusätzliche Kapitel, u.a. zu den Themen Gesundheit, Tierschutz, Freihandelsabkommen und Nutzpflanzenvielfalt. Darüber hinaus belegt der Bericht anhand von 15 Best Practice-Beispielen, dass eine nachhaltige Landwirtschaft eine Win-Win-Situation für Umwelt, Verbraucher und Landwirte darstellt.

Weitreichende Folgen der jahrzehntelange fehlgeleiteten Landwirtschaftspolitik
Die luxemburgische Landwirtschaft ist geprägt von rückläufigen Betriebs- und Beschäftigungszahlen, einer stets geringer werdenden wirtschaftlichen Bedeutung des Sektors und der extremen Abhängigkeit der Landwirte von Subventionen und externen Betriebsmitteln wie Futter und fossilen Rohstoffen. Trotz der hohen öffentlichen Ausgaben für die Landwirtschaft ist der Selbstversorgungsgrad Luxemburgs bezogen auf die meisten Lebensmittel gering. Die Produktion von Biolebensmitteln hinkt der Nachfrage stark hinterher.

Die Agrarpolitik ist für den dramatischen Rückgang der Artenvielfalt, die groß ächige Trinkwasserbelastung mit Nitrat- und Pestizidrückständen und die Freisetzung klimaschädlicher Treibhausgase mitverantwortlich. Der Einsatz von Pestiziden – von denen viele im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen, das Erbgut zu schädigen oder hormonell wirksam zu sein, und damit schädigend auf Menschen, Insekten, Vögel und Wasserorganismen zu wirken – stellt für den Menschen und die Natur gleichermaßen eine inakzeptable Belastung dar.

Meng Landwirtschaft ist überzeugt, dass eine nachhaltige Landwirtschaft in Luxemburg notwendig und realistisch ist. Die von Bauernsterben und steigendem Weltmarktdruck gekennzeichnete luxemburgische Landwirtschaft muss die Chancen, die eine nachhaltige Landwirtschaft bietet, zum Wohle von Umwelt, Verbrauchern und nicht zuletzt auch zum Nutzen der Landwirte wahrnehmen. 100% Biolandbau in 1-2 Jahrzehnten sind keine Illusion, sondern eine Notwendigkeit. Die Lösungen existieren, woran es fehlt, ist der politische Wille. Das wir anhand der Best-Practice-Beispiele „BioRegion Mühlviertel“ und „Bio-Aktionsplan Wallonie“ gezeigt: Biolandbau kann aus der Nische heraus entwickelt werden und für viele Akteure wirtschaftlich wichtige Zukunftsperspektiven bieten.

Eine Landwirtschaft die Verbraucher und Umwelt schützt – Eine Landwirtschaft mit Zukunftsperspektive für Landwirte
Meng Landwirtschaft fordert eine Kehrtwende in der luxemburgischen Agrarpolitik: wir brauchen eine Landwirtschaft, die Verbraucher und Umwelt schützt und insbesondere den Landwirten eine wahre Zukunftsperspektive bietet. Sie muss sich zur lokalen und regionalen Versorgung der Menschen mit wirklich nachhaltig produzierten Lebensmitteln umorientieren und dazu beitragen, dass Luxemburg in Bezug auf seine Lebensmittelversorgung ein größtmögliches Maß an Autonomie erreicht.

Die luxemburgische Regierung hat es versäumt, die dringend notwendige Neuorientierung hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft in Luxemburg einzuleiten. Das 2016 verabschiedete Agrargesetz enthält nur wenige schlagkräftige Maßnahmen, die den aktuellen Problemen und Herausforderungen in der Landwirtschaft gerecht werden“, erklärt Daniela Noesen, Direktorin von Bio-Lëtzebuerg. „Dies betrifft die Ausweitung der Biolandwirtschaft ebenso wie den Wasserschutz, den Erhalt der Biodiversität sowie die Erhaltung und Förderung des landwirtschaftlichen Berufes. Die für die Jahre 2014-2020 vorgesehenen Staatsausgaben werden größtenteils für die Fortführung der bisherigen Agrarpolitik eingesetzt.“

Kohärenz zwischen Kooperationspolitik, Landwirtschaftspolitik und anderen Politikfeldern (Handel, Umwelt, Finanzen, Energie) muss gewährleistet sein.

Über den Luxemburger Tellerrand hinausblicken
Es muss ein Ziel der Regierung sein, dass sowohl auf nationaler Ebene als auch auf EU-Ebene die Kohärenz zwischen der Kooperationspolitik und der Landwirtschaftspolitik sowie anderen Politikfeldern, darunter die Bereiche Handel, Umwelt, Finanzen und Energie, gewährleistet wird. So wird im Bericht unterstrichen, dass 

  • Die Regierung im Rahmen ihrer Kooperationspolitik der Landwirtschaft eine neue Priorität einräumen und sich sowohl bei ihren Partnern als auch auf europäischer und internationaler Ebene für eine solche Neuorientierung einsetzen muss. Diese Politik muss auf dem Prinzip der Nahrungsmittelsouveränität und dem Respekt sämtlicher Menschenrechte basieren, insbesondere dem Recht auf Ernährung für alle.
  • es empfiehlt sich, ein Modell der landwirtschaftlichen Entwicklung zu fördern, das eine sich an den Prinzipien des ökologischen Landbaus orientierende kleinbäuerliche Landwirtschaft in den Mittelpunkt stellt und die wichtige Rolle der Frauen voll anerkennt.

Lesen Sie den Bericht “Landwirtschaft 2.0 – Plädoyer für die Neuausrichtung der luxemburgischen Agrarpolitik“
Pressemitteilung vom 26. April 2017 “Die Agrarwende in Luxemburg ist notwendig und machbar!

 

Über Meng Landwirtschaft
„Meng Landwirtschaft – Mäi Choix“ ist eine Plattform von luxemburgischen Nichtregierungsorganisationen, die sich mit Landwirtschaft, Ernährung, Umwelt, Naturschutz, Tierschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit befassen und solchen, die im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind. Die Plattform wurde im Jahr 2010 im Umfeld der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) gegründet. 2014 legte sie im Hinblick auf die Umsetzung der GAP in Luxemburg erstmals ihre Forderungen für eine Neuausrichtung der luxemburgischen Landwirtschaft und der Nord-Süd-Beziehungen vor.

Mittlerweile wird die Plattform von folgenden 23 Organisationen getragen: natur&ëmwelt, Bio-Lëtzebuerg – Vereenegung Bio-Landwirtschaft Lëtzebuerg, Greenpeace Luxemburg, Action Solidarité Tiers Monde, SOS Faim Luxembourg, Mouvement Ecologique, Caritas Luxembourg, Aide à l’Enfance de l’Inde, attac, CELL, Cercle de Coopéra- tion, Emweltberodung Lëtzebuerg, Eglise catholique à Luxembourg, etika, Fairtrade Letzebuerg, Frères des Hommes, FUAL, Initiativ Liewensufank, Ligue CTF, SEED, Slow Food Luxembourg, VegInfo Luxembourg und Vegan Society Luxembourg.

Die Organisationen wollen die längst überfällige öffentliche Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft in Luxem- burg anregen und aktiv mitgestalten. Zugleich setzen sie sich für eine stärkere Solidarität gegenüber den hiesigen Kleinbetrieben und den Kleinbauern des Südens ein.

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