18.12.13

Die Zertifizierung von Ökoprodukten – eine Herausforderung für die Biobauern auf den Philippinen

P1070526Im August dieses Jahres wurde das von unserem Partner MASIPAG entwickelte  Biozertifizierungssystem MFGS (MASIPAG Farmers’ Guarantee System) von der International Federation of Organic Agriculture Movements  (IFOAM) anerkannt. Das System ermöglicht es philippinischen Ökobauern ihren Kunden die Sicherheit zu geben, dass ihre Produkte ökologisch produziert wurden. Vor einigen Monaten organisierte unser Lokalbüro in Manilla einen Besuch bei Kleinbauern in Luzon, die nach dem MFGS-System arbeiten, um sich über ihre Erfahrungen zu informieren.

Der Besuch fand in der Ortschaft Ilasan nahe der Stadt Tayabas im Süden des Insels Luzon statt. Am ersten Tag wurden die Besucher vom Vorsitzenden der Vereinigung der biologischen Bauern Ilasans, Simplicio Lacorte und seiner Familie begrüßt. Herr Lacorte, seit 44 Jahren Bauer, erinnerte sich, dass in seiner Kindheit sein Vater keine Pestizide oder künstliche Düngemittel benutzte; diese wurden erst während der Präsidentschaft von Ferdinand Marcos eingeführt. Damals verteilte die Regierung Saatgut von hochleistungsfähigen Reissorten an die Bauern, die höhere Erträge ermöglichen sollten, und stellte ihnen Darlehen für den Kauf der benötigen chemischen Düngemittel und Pestizide zur Verfügung. Über die Jahre blieben aber die erhofften höheren Erträge aus.

Alternative zur konventionellen Anbaumethoden

2008 organisierte eine Organisation von Ökobauern eine Informationsveranstaltung zur ökologischen Landwirtschaftsmethoden in Tayabas, an der Lacorte und sieben andere Bauern teilnahmen.  Beeindruckt von den positiven Erfahrungen der Organisatoren beschlossen Lacorte und die sieben andere Bauern daraufhin, den Versuch zu wagen. Sie gründeten die Ilasan Organic Farmers’ Association (ILOFA), die nachher im MASIPAG-Netz aufgenommen wurde. MASIPAG unterstützte die junge Organisation mit Schulungen zu den Methoden der ökologischen Landwirtschaft. Seitdem sie auf ökologische Landwirtschaft umgestellt haben, hat sich manches für sie verbessert.

Sie stellten fest, dass die Böden weicher und lockerer sind, was einen günstigen Einfluss auf das Wachstum der Reispflanzen hatte; nach dem zweiten Jahr waren die Erträge deutlich höher. Ein Kleinbauer teilte mit, dass nach der Umstellung auf ökologische Anbaumethoden der Ertrag seiner Reisfelder sich vervierfacht hatte. Die neuen Ökobauern merkten auch eine Verbesserung ihres allgemeinen Gesundheitszustandes, sie fühlten sich stärker. Mittlerweile sind die erzielten Erträge der Biobauern, die nach den MASIPAG-Vorgaben produzieren, so hoch, dass sie mehr Reis produzieren als sie für den Eigenbedarf brauchen; der Verkauf der Überschüsse erlaubt es ihnen, das Familieneinkommen zu verbessern.

Als sie anfingen, ihre Produkte zu vermarkten, wurden sich die Bauern der ILOFA der Notwendigkeit bewusst, offiziell als Biobauer anerkannt zu sein, um bessere Preise erzielen zu können. Das Interesse an Bioprodukten nimmt nämlich in der philippinischen Gesellschaft zu und Konsumenten sind bereit, etwas mehr für ökologische Produkte zu bezahlen. 2010 wurde sogar ein Gesetz zur Förderung der ökologischen Landwirtschaft verabschiedet, das für Kleinbauern, die ökologisch anbauen, aber einen Haken hat; es beschränkt nämlich den Begriff „ökologisch“ auf Produkte, die von einer dritten Partei zertifiziert wurden, ein System, das den finanziellen Mitteln der Kleinbauern weit übersteigt. MASIPAG bat ILOFA um eine Alternative, nämlich das „Masipag Farmers’ Guarantee System“. In von MASIPAG organisierten Ausbildungen lernten die Kleinbauern, wie das kostengünstige System von gegenseitigen Kontrollen durch Biobauern funktioniert und einheimischen Kunden garantiert, dass die angebotenen Produkte tatsächlich ökologisch angebaut wurden.

Am zweiten Tag besuchte das Team Alejandro Padilla, Sekretär der ILOFA. Er teilte die Meinung von Herrn Simplicio, dass sich das Allgemeinbefinden der Familien verbessert hatte, seitdem sie sich ökologisch ernährten, fügte aber hinzu, dass es wegen des zusätzlichen Arbeitsaufwandes nicht einfach ist, die Bauern zu überreden auf Ökoanbau umzustellen. Zwei Nachbarn hatten aber Interesse gezeigt, als sie sahen, dass Alejandros Erträge höher und nicht durch Schädlingsbefall betroffen waren. Als er ihnen erklärte, dass er ausschließlich Saatgut vom ILOFA-Versuchsbetrieb und ökologische Düngemittel und Pestizide benutzte, beschlossen die beiden Bauern, auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. Sie werden auch demnächst der ILOFA beizutreten.

Laut Padilla kann die Vereinigung der Biobauern auf die Unterstützung der Lokalverwaltung in Ilasan zählen, die mit öffentlichen Mitteln den Bau einer Vermikulturanlage zur Herstellung von Kompost finanziert, sowie Verordnungen gegen das Verbrennen von Reisstroh und zur Trennung von Abfällen verabschiedet hat.

Gegenseitige Kontrolle als Garantie

Alejandro Padilla ist Vorsitzender der beratenden Kommission (consultative body) MASIPAGS in der Provinz Quezon, in der die acht Vereinigungen der Biobauern der Provinz vertreten sind. Während des Besuches erklärte er das MFGS-Kontrollsystem und die Rolle der Kommission. Die Kommission hat den Auftrag festzustellen, ob die zertifizierten Bauern tatsächlich ökologisch wirtschaften und beschließt die Anerkennung neuer Biobauern nach der vorgeschriebenen zweijährigen Umstellungsperiode. Sie stellt unter anderem fest, ob die vorgeschriebenen Standards eingehalten werden, so zum Beispiel eine Pufferzone von 50 Metern zwischen ökologischen und konventionellen Betrieben und die Umleitung von Irrigationswasser aus nicht-ökologischen Betrieben, um die Verschmutzung der Felder der Biobetriebe zu verhindern. Auch darf das Reisstroh nach der Ernte nicht wie beim konventionellen Anbau verbrannt werden, sondern muss auf den Feldern liegen bleiben und nach der Verrottung auf die Felder als Dünger verteilt werden. Bei den Inspektionen der Felder werden die Zahl der Reiskörner pro Rispe und die Anzahl der Rispen pro Pflanze gezählt. Pflanzen mit 200 Körnern oder mehr gelten als gute Sorten.

Die Kommission basiert ihre Entscheidungen auf die Berichte von MFGS-Inspektionsteams, die von Bauernvertretern durchgeführt werden, die nicht in der gleichen Ortschaft leben, wie der Bauer, der inspiziert wird. Die Inspektionen sind wichtig: Padilla berichtete von einem Bauern, der behauptete Ökoanbau zu betreiben, aber als er nach dem verwendeten Saatgut befragt wurde, gestand er, das gleiche Saatgut wie früher benutzt zu haben.

Ralph Vallesteros von MASIPAG, der die Besucherteams begleitete, erklärte die Ziele des 2004 eingeführte MFGS, das eine günstige Methode der Zertifizierung der Ökoprodukte der Kleinbauern darstellt. Das Grundprinzip gilt, dass der ökologische Landbau in erster Linie der Ernährung der Bauern und ihrer Familien zugute kommen sollte: Die Verbesserung des Einkommens ist zwar wichtig, kommt aber erst an zweiter Stelle.

Neben der Garantie für den Ökoanbau, unterstützt das MFGS die Bauern auch auf andere Weisen, zum Beispiel durch die kollektive Vermarktung ihrer Produkte. So ist es den Kleinbauern möglich, selbst über den Verkauf ihrer Produkte zu bestimmen. Sie sind nicht wie früher von den Händlern abhängig, die ihnen keinen Aufpreis für ökologische Produkte bezahlten und zwischen ökologisch und konventionell angebauten Produkten keinen Unterschied machten. Ferner sieht das MFGS Maßnahmen für den Kapazitätsaufbau der Bauernorganisationen beim Organisationsmanagement und bei der Unternehmensführung vor.

Laut den Durchführungsbestimmungen des Gesetzes zur ökologischen Landwirtschaft wird die Zertifizierung durch erste und zweite Parteien, wie im Fall von MFGS, nur noch bis 2016 anerkannt. Derzeit setzt sich MASIPAG für eine Gesetzesänderung ein, die sämtliche Garantiesysteme offiziell anerkennen soll, denn nur so werden Kleinbauern, die ökologisch anbauen, in Zukunft ihre Produkte als ökologisch vermarkten können.

Julie Smit ist Mitglied der ASTM.

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