23.11.16

#COP22 Marrakesch : Fahrplan erstellt, Zusagen weiter hinter dem, was nötig wäre!

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©KAIROS DELA CRUZ

Am vorigen Freitag ging in Marrakesch in Marokko der 22. Klimagipfel zu Ende. Der Elefant im Raum hieß „Trump“, aber die Delegierten bezeichneten die internationalen Klimaverhandlungen als „unstoppable“ und „irreversible“ und drückten diesen Willen zur Fortsetzung aus in der „Marrakech proclamation for action on climate and sustainable development“, die sie einstimmig und unter „standing ovations“ verabschiedeten. Diese Proklamation betont die Wichtigkeit, die Reduktionsziele zu erhöhen, den Zusammenhang zwischen Klimaschutz und den „Sustainable Development Goals“ und die Notwendigkeit, den verletztlichen Ländern mehr Mittel für Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung zu stellen.

48 Entwicklungsländer, zusammengeschlossen im Climate Vulnerable Forum, erklärten in ihrer „Marrakech Vision“, sie würden sich bis spätestens zur Periode 2030 – 2050 zu 100% auf erneuerbare Energien umstellen. Für sie ist – mit den Worten der philippinischen Regierungsvertreterin Evelyn Cruzada – „Anpassung an den Klimawandel eine zentrale Voraussetzung für ihre weitere Entwicklung“.

Es wurde zwar ein Fahrplan für die Klimafinanzierung bis 2020 erstellt, allerdings bleiben die Zusagen der Industrieländer für Anpassungsprojekte weit hinter dem, was nötig wäre, zurück.

Ach ja, die EU war auch da. Anstatt jedoch ihre Reduktionsziele von 2020 und 2030 den Vereinbarungen des „Paris Agreements“ anzupassen, gelingt es ihr nicht einmal, die überschüssigen Emissionsrechte in ihrem Emissionshandelssystems zu löschen – verglichen mit den Zielen des „Climate Vulnerable Forum“ und denen von China und Indien wirkt das ein Jahr nach Paris eher peinlich.

Sowohl in der Proklamation als auch in der Vision von Marrakesch werden die Akteure der Zivilgesellschaft ermutigt, sich im Klimaschutz zu engagieren. Das Internationale Klima-Bündnis war dort mit einem Side-Event vertreten und übergab 1,7 Millionen „Grüne Fußabtritte“ an die Patricia Espinosa, die Geschäftsführerin des UN-Klimasekretariats.

Mit dem vorauszusehenden Politikwechsel in den USA und dem Verharren der EU in Pharisäerei könnte Marrakesch als Wendepunkt in der internationalen Führerschaft in der Klimapolitik weg von den Industrieländern hin zu den Entwicklungs- und Schwellenländern in die Geschichte eingehen.

Ein Kommentar von  unserem Kollegen Dietmar Mirkes

Hören Sie auch das Interview auf Radio 100Komma7 “Zwee-Grad-Zil kann net agehale ginn”

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